G E M E I N S C H A F T       L E B E N       L E R N E N

Unterricht am Marianum

 

Das Fach katholische Religion

Von M. Langenbach

Die Schülerarbeit aus dem Jahrgang 6 (Bild rechts) zeigt ansatzweise auf, mit welchem Bedeutungsreichtum ein einzelner Begriff ausgestattet sein kann. Zugleich spiegelt die Arbeit äußerst verschiedene Zugänge zur Wirklichkeit wider – immanente und transzendente. Es ist Aufgabe des Religionsunterrichts auf die jeweiligen Erfahrungshorizonte der Schülerinnen und Schüler einzugehen und die sich daraus entwickelnden Fragen an die Welt, an die eigene persönliche Existenz und deren Sinn aufzudecken. Als fragende Menschen sollen sie ihren Wahrnehmungen vertrauen, indem sie z. B. über ihr Dasein in der Welt staunen, sich als menschliche Wesen dem Anderen sym-pathisch zuwenden, die Widersprüchlichkeit eindimensionaler Antworten offenlegen und die sie umgebende Wirklichkeit in ihrer Multiperspektivität sehen, begreifen und deuten lernen.

Als wichtigen Maßstab für die Bildung nennt Hartmut von Hentig 1997 die „Wachheit für letzte Fragen“, denen besonders im Religionsunterricht Raum gegeben wird: Warum frage ich nach dem Sinn meines und allen Lebens? Worin kann ich Sinn erkennen und wie kann ich mein Leben sinnvoll er-leben? Gibt es Gott? Und wer bin ich vor diesem Gott? Warum gibt es Leid? Bin ich wirklich ein freier Mensch? Wohin führt mein Leben? Darf ich über den Tod hinaus denken?

Zum fragenden Menschen gehört der Wunsch nach überzeugenden Antworten, die die Erfahrungen mit der Welt und sich selbst individuell reflektieren und erschließen helfen und so erst zu einer verändernden bewussten Erfahrung werden lassen. Der Religionsunterricht leitet diese Erschließung an, als zentrale Kompetenz wird deshalb die Sprachfähigkeit – insbesondere auch der Umgang mit religiöser Sprache – gefördert und geschult. Gerade über den sicheren Umgang mit den Grundformen religiöser Sprache eröffnet sich ein großes Identifikationsspektrum für existenzielle Fragen sowie gleichzeitig die Basis zur Ausbildung einer religiösen und ethischen Urteilskompetenz, die den echten Dialog mit anderen Auffassungen erst möglich macht.

Die Konzeption des eingeführten Religionsbuches „MITTENDRIN Lernlandschaften Religion“ setzt in allen Themeneinheiten beim biografisch-individuellen Erfahrungshorizont der Lernenden an. Die Unterrichtsgänge selbst sind so aufgebaut und miteinander vernetzbar, dass sowohl ein binnendifferenzierter als auch ein eigenständiger Kompetenzerwerb erfolgen kann.

Die sechs im Kerncurriculum benannten Kompetenzbereiche – Anthropologie, Theologie, Christologie, Ethik, Ekklesiologie und Religionen im Dialog – dienen der Ordnung der zu erwerbenden Kompetenzen. Im Folgenden deshalb ein Überblick über die inhaltlichen Ausgestaltungen der jeweiligen Kompetenzbereiche. (Vergl. dazu www.nibis.de – Kerncurriculum Katholische Religion SI.)

Im Kompetenzbereich „Der Mensch berufen zu Freiheit und Hoffnung“ erschließen sich die Schülerinnen und Schüler zentrale Aspekte des christlichen Menschenbildes: die Geschöpflichkeit und Ebenbildlichkeit, seine Endlichkeit und Erlösungsbedürftigkeit sowie seine Verantwortung gegenüber sich selbst, seinen Mitmenschen, der Schöpfung und Gott. Die Auseinandersetzung mit dem christlichen Menschenbild und anderen Menschenbildern gibt den Schülerinnen und Schülern eine Hilfe für die Ausbildung der eigenen Identität. Das Unterrichtswerk „Mittendrin“ regt zur Reflexion in den Jahrgängen 5 und 6 mit den Themen: „Ich bin so wunderbar gemacht“, „Staunen und fragen“, „Erlesen: Die Schöpfung“; in den Jahrgängen 7 und 8 mit „Stark sein können – schwach sein dürfen“, „Das Leben spielend umsetzen?!“; und in den Jahrgängen 9 und 10 mit „Stört die Liebe nicht“, „Memento mori“ und dem „Projekt: Jahresringe“ an.

Der Kompetenzbereich „Die Frage nach dem Sinn und die Unbegreiflichkeit Gottes“ eröffnet den Schülerinnen und Schülern bei der Suche nach Lebenssinn die Berührung mit dem christlichen Glauben an den unbedingt liebenden und zugleich unbegreiflichen Gott. Die Spannung der Nähe und Ferne, von geschichtlicher Konkretheit und transzendenter Verborgenheit stellt dabei ein kritisches Korrektiv für jede psychologisch projizierende, interessengeleitete oder fundamentalistisch anmaßende Gottesauffassung dar und ermöglicht den Jugendlichen die Option von Freiheit und Identität. „Mittendrin“ arbeitet dazu in 5 und 6 mit den Themen „Menschen suchen Gott“ und „Erfahrungen mit Gott – die Bibel“; in 7 und 8 mit dem Thema „Berufene Rufer – Propheten“; in 9 und 10 mit dem Thema „Wo bist du Gott?“.

Im Kompetenzbereich „Die Sehnsucht nach Erfüllung und die Heilsbotschaft Jesu Christi“ begegnen die Schülerinnen und Schüler der Person Jesu vor dem Hintergrund seiner Zeit und jüdischen Umwelt und erschließen in der Beschäftigung mit biblischen Geschichten die Rede Jesu vom Reich Gottes als befreiende Botschaft. Sie lernen in der Auseinandersetzung mit Leben, Tod und Auferstehung Jesu Christi die Grundpfeiler des christlichen Glaubens altersangemessen zu verstehen und daraus Handlungs- und Hoffnungsperspektiven für das eigene Leben abzuleiten. „Mittendrin“ konkretisiert die Vorgaben mit den Themen „Jesus kommt aus Nazaret“ (5/6), „Da berühren sich Himmel und Erde“ (7/8) und „Jesus – Die Spur von Morgen“ (9/10).

Im Kompetenzbereich „Das Handeln des Menschen in der Verantwortung vor sich, vor den Mitmenschen und vor Gott“ gewinnen die Schülerinnen und Schüler Einsichten in die Problematik des menschlichen Zusammenlebens sowie die Notwendigkeit der Orientierung an sittlich und religiös begründeten Normen. Sie lernen in der Begegnung mit den herausfordernden Traditionen der biblisch-christlichen Überlieferung ihre eigene Verantwortung altersangemessen zu artikulieren und wahrzunehmen. „Mittendrin“ greift in 5/6 die Verantwortung in „Keiner lebt für sich allein“ und in 9/10 in „Meine Welt – Eine Welt dezidiert auf, berücksichtigt jedoch in den einzelnen Lerngängen immer wieder die ethische Perspektive.

Im Kompetenzbereich „Das Zeugnis der Kirche von der Gegenwart Gottes in Geschichte und Gesellschaft“ begegnet den Schülerinnen und Schülern das christliche Zeugnis von Gottes Heilsgegenwart in Geschichte und Gesellschaft. Ausgehend von den konkret erfahrbaren grundlegenden Gemeinsamkeiten und Unterschieden der christlichen Konfessionen und in der Auseinandersetzung mit der wechselvollen Gestaltung der gemeinschaftlichen Nachfolge Christi gewinnen die Schülerinnen und Schüler ein sachgemäßes Verständnis für das Heilsangebot der katholischen Kirche. „Mittendrin“ nähert sich dem Bereich mit den Themen „Keiner glaubt allein“, „Feste feiern“, „Petrus und Paulus“ (5/6); „Das Jahr – eine runde Sache“, Reformation – aus Liebe zur Kirche?“, Taizé – ein Ort gelebten Glaubens“ (7/8); „Dem Glauben ein Gesicht geben“ und „Ur-kunde Bibel“ (9/10).

Im Kompetenzbereich Religionen im Dialog erschließen sich die Schülerinnen und Schüler Grundzüge anderer Religionen, um am interreligiösen Dialog sachgerecht teilnehmen und Menschen anderer kultureller Traditionen mit Achtung und Respekt begegnen zu können. Dabei nehmen sie das Selbstverständnis und den Wahrheitsanspruch fremder religiöser Überzeugungen sensibel wahr und setzen diese vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Herausforderungen in Bezug zu ihrem eigenen katholischen Glauben. „Mittendrin“ widmet sich dem Judentum in 5/6, dem Islam in 7/8 und dem Buddhismus in 9/10. In „Religion – mehr als alles“ wird ganz besonders die Ausbildung von Dialogfähigkeit in den Blick genommen.

Besuch außerunterrichtlicher Lernorte:

Jahrgang 5:

• Besuch des Jüdischen Friedhofs in Meppen
• Besuch des Bibeldorfes in Rietberg

Jahrgänge 7 – 10:
• Die Besuche von Synagogen, Moscheen, des Buddhistischem Zentrums in Meppen, des Klosters auf dem Gelände der Gedenkstätte Esterwegen oder einer modernen Kirche sind gewünscht und möglich. Über eine Exkursion entscheidet die Klasse mit ihrem Lehrer/ ihrer Lehrerin.

Religion und Schulpastoral

Der erfahrungsorientierte Religionsunterricht findet seine sinnvolle Ergänzung in Gottesdiensten (mit der gesamten Schulgemeinschaft oder in einem Jahrgang bzw. auch als Klassengottesdienst), Angeboten der Besinnung in der Advents- und Fastenzeit, Tagen der religiösen Orientierung, der Taizéfahrt, Pilgern, sozialen Aktionen … . Sie gehören an unserer Schule zusammen, sind die – bildlich gesprochen – zwei Seiten einer Medaille. Umfassende Informationen zu unserem Verständnis von Schulpastoral sind unter Leben.Lernen auf der Homepage zu finden.

Besonderheiten

Der Religionsunterricht in den fünften und sechsten Klassen sowie in der Projektklasse (Abitur nach acht Jahren) wird konfessionell-kooperativ erteilt, wobei die Konfession des Religionslehrers darüber entscheidet, welche konfessionelle Ausrichtung der Unterricht hauptsächlich hat. Wegen der großen Übereinstimmung von Kernthemen wird dieser Unterricht als Bereicherung erlebt, weil ein vertieftes Verständnis der anderen Konfession die Folge ist. Unterschiede zur jeweils anderen Konfession werden allerdings ausdrücklich thematisiert.

Religionsunterricht gehört am Gymnasium Marianum in jedem Jahrgang mit mindestens zwei Unterrichtsstunden zum Pflichtunterricht – eine Abmeldung oder ein Wechsel zu einem Ersatzfach ist nicht möglich.

In der Oberstufe, in der nach den jeweiligen Vorgaben des Kerncurriculums unterrichtet wird, kann katholische Religion sowohl als Prüfungskurs (P3, P4 und P5) als auch als zweistündiger Ergänzungskurs gewählt werden.

 
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