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News 2024

Holocaust Gedenktag 2024 am Marianum

Von J. Baum, 01.02.2024

Montagmorgen, 1. Stunde. Ein lauter Gongschlag bringt die in der großen Turnhalle versammelte Schulgemeinschaft zum Schweigen. Plötzlich erlöscht das Licht. In der Dunkelheit hört man die Stimmen von Leila, Lara und Jette (alle Jg.12):

„Würde man für jedes Opfer des Holocaust eine Schweigeminute abhalten, wäre es mehr als elf Jahre still.“

„Ich wollte noch einmal die Sonne sehen.“

„Da ist ein Gang, wo man reinging und nicht rauskam.“

Schweigen. So still kann es in einer mit über 1000 Schüler:innen und Lehrkräften besetzten Turnhalle sein.

„Um ein Zeichen für das Licht im Dunkeln zu setzen, schalten wir jetzt alle unsere Handytaschenlampen ein“, fordert Lilly (Jg.12) die Schulgemeinschaft auf.

Es raschelt, aber keiner sagt ein Wort. Alle gucken sich beeindruckt um und sehen, welche Helligkeit sie gemeinsam ausstrahlen.

Es ist Montag, 29.01.2024. Am Samstag vorher, dem 27. Januar, war der „Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“, kurz Holocaust Gedenktag. Das Datum erinnert an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee im Jahr 1945. Über eine Million Menschen kamen in diesem Lager ums Leben und es wird angenommen, dass insgesamt sechs Millionen Juden in Konzentrationslagern ermordet wurden.

Zu diesem Anlass ist die gesamte Schulgemeinschaft zu einer Gedenkveranstaltung in der großen Turnhalle zusammengekommen. Schülerinnen und Schüler der Schule-ohne-Rassismus-Schule-mit-Courage Projektgruppe, betreut von Johannes Kröger und Jan Baum, haben diese Veranstaltung vorbereitet und durchgeführt.

Diese wird musikalisch begleitet von Vincent Liu (Jg.12, Geige) und Finn Raupach (Jg.11, Klavier). Ihre beiden Klezmer-Stücke (u.a. Filmmusik aus „Schindlers Liste“) rühren nicht wenige Anwesenden zu Tränen.

Kern der Gedenkstunde bilden selbstgeschriebene Statements und Texte von Schülerinnen, die auch im Zweitzeugenprojekt aktiv sind (s.u.). Ihre klaren Worte beeindrucken sichtbar Schüler:innen, Lehrkräfte und sonstige Mitarbeiter.

Höhepunkt und Abschluss bildet ein Spoken Word Stück von Rebekka Meyer (Jg.12), dass die Schulgemeinschaft tief berührt. Erst am Ende ihres Vortrags brandet tosender Applaus auf. Schulleiter Hermann-Josef Rave dankt am Ende allen Beteiligten und spricht den zuhörenden Schüler:innen besondere Anerkennung aus: So still war es in der großen Turnhalle wirklich noch nicht.


Statement 1: Carolin Blome (Jg. 12)

Warum stehe ich nun hier? Vielleicht fragt man sich, was soll es eigentlich bewirken, an den Holocaust zu erinnern?

Weil es eben nicht okay ist so etwas Schreckliches wie den Holocaust zu vergessen und zu verdrängen. Ich bekomme Angst, wenn ich sehe, dass Hass einen immer größer werdenden Platz in unserer Gesellschaft einnimmt. Wenn Menschen auf die Straße gehen und Hass verbreiten. Unbegründeten Hass.

Aber ich habe Hoffnung.

Mir macht es Hoffnung zu wissen, dass wir durch Erinnern und das Aufstehen gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art, dem Hass entgegenwirken können.


Statement 2: Johanna Funke (Jg.12)

Warum stehe ich nun hier? Vielleicht fragt man sich, was soll es eigentlich bewirken, an den Holocaust zu erinnern? Meiner Meinung nach darf der Holocaust nicht in Vergessenheit geraten. Jetzt dafür aufmerksam zu machen, was bereits Schreckliches geschehen ist, gibt mir die Hoffnung, dass die Menschen begreifen, dass diese Taten nie wieder geschehen dürfen. Die Welt zurzeit ist voller Konflikten, Kriegen und immer noch ist der Antisemitismus und Rassismus nicht besiegt worden. Gerade in Situationen, die wir gerade erleben, wünsche ich mir immer mehr, dass verstanden wird, was so ein Hass für ein Menschenleid hervorbringen kann. Ein Hass der keine Berechtigung hat.


Statement 3: Lara Schultalbers (Jg.12)

Warum steh ich hier? Warum stehen wir hier? Warum haben wir uns hier alle Versammelt? Johanna und Carolin haben das schon sehr gut auf den Punkt gebracht. Wir, die Zweitzeugen des Marianums stehen hier gegen jegliche Form von Diskrimierung und Ausgrenzung und besonders gegen das Vergessen und gegen das Schweigen.

So sagte Rafik Shami - ein syrisch-deutscher Schriftsteller bereits: “Es gibt kaum eine Gruppe, die soviel Einfluss auf die Weltgeschichte hat wie die Gleichgültigen. Und das Bemerkenswerte daran ist, niemand spricht von ihnen. Ihre Passivität hat die radikalsten Umbrüche ermöglicht.”

- Die Passivität der Gleichgültigen, die der Schweigsamen, hat die radikalsten Umbrüche ermöglicht. Die Forderung ist klar: Wir alle sind dafür verantwortlich, dass so etwas wie der Holocaust nie wieder geschieht und dafür ist es notwendig aufzuklären, weiterzugeben und immer wieder neue Zweitzeugen auszubilden, denn leider haben uns schon die meisten Holocaust-Überlebenden verlassen. So liegt die Verantwortung bei uns ihre Geschichten weiter zu erzählen und gegen die Passivität der Gleichgültigen vorzugehen.

Persönliche finde, ich es wär an der Zeit, dass manche Menschen checken: Menschenhass ist keine Meinung sondern ein Verbrechen. Also lasst uns alle in vereinten Kräften zusammenwirken; gegen das Vergessen und eine Zukunft kreieren in der jeder egal wie verschieden, Leben kann in Glück und Frieden!
 
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