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News 2026

Erasmus+ in Florenz

Italienisch lernen, anwenden und Kultur erleben

Von H. Schutte, 11.09.2026


Im Rahmen des Erasmus+-Programms hatte ich die Möglichkeit, zwei Wochen vor Ostern nach Florenz zu reisen und dort an einem Italienisch-Sprachkurs teilzunehmen. Da ich bereits über Vorkenntnisse verfügte, wurde ich einem Fortgeschrittenenkurs auf dem Niveau B1–B2 zugeteilt. Für mich war der Aufenthalt vor allem eine gute Gelegenheit, meine bisherigen Kenntnisse praktisch anzuwenden und meine sprachlichen Fähigkeiten gezielt weiterzuentwickeln.

Unser Kurs war international zusammengesetzt: Neben zwei Deutschen gehörten ein Israeli, zwei Brasilianer und ein Japaner zur Gruppe. Diese Mischung erwies sich als besonders bereichernd, da Italienisch die gemeinsame Sprache der gesamten Gruppe war. So ergaben sich zahlreiche Gelegenheiten, die Sprache tatsächlich zu sprechen und sich auch über unterschiedliche kulturelle Hintergründe auszutauschen.

In der ersten Woche hatte ich zusätzlich zum regulären Unterricht von 9.00 bis 13.00 Uhr noch eine 60-minütige Einzelstunde. Diese individuelle Betreuung war für mich besonders hilfreich, da ich dort gezielt Fragen stellen und bestimmte Grammatikthemen oder sprachliche Schwierigkeiten im direkten Austausch mit der Lehrkraft bearbeiten konnte.

Rückblickend war es definitiv sinnvoll, zwei Wochen für den Sprachaufenthalt einzuplanen. Gerade wenn man eine Sprache nicht täglich verwendet, benötigt man zunächst einige Zeit, um wieder „hineinzukommen“, bekannte Strukturen zu aktivieren und zunehmend auch auf Italienisch zu denken. Erst nach einigen Tagen fiel es mir deutlich leichter, spontan zu sprechen und mich flüssiger auszudrücken. Am Ende des Aufenthalts stand ein Abschlusstest, in dem mir das Niveau B2 bescheinigt wurde. Das Ergebnis entsprach dabei durchaus meinem bisherigen Eindruck von meinen Sprachkenntnissen.

Gerade für mich als Lateinlehrer war es interessant, einmal selbst die Perspektive eines Lernenden einzunehmen. Ich gehe an Sprache naturgemäß sehr theoretisch und grammatikorientiert heran. Beim Hörverstehen habe ich dagegen größere Schwierigkeiten. Umso wertvoller war für mich die unmittelbare Konfrontation mit gesprochenem Italienisch im Unterricht und im Alltag. Ein solcher Aufenthalt bietet in dieser Hinsicht einen entscheidenden Vorteil gegenüber Lern-Apps oder klassischen Sprachkursen, beispielsweise an der Volkshochschule, bei denen häufig die Vermittlung von Grammatik und theoretischen Sprachkenntnissen im Vordergrund steht. In Florenz war ich dagegen gefordert, die Sprache tatsächlich zu hören, zu verstehen und selbst anzuwenden. Diese Erfahrung war auch aus pädagogischer Sicht interessant, da sie die Unterschiede zwischen theoretischem Sprachwissen und tatsächlicher kommunikativer Kompetenz unmittelbar erfahrbar machte.

Dass sich diese Anwendungsmöglichkeiten nicht auf den Unterricht beschränkten, zeigte sich auch am Wochenende. Bei einer Rennradtour durch die Berge der Toskana traf ich auf eine andere Gruppe von Radfahrern und kam mit ihnen auf Italienisch ins Gespräch. Dabei konnte ich meine Sprachkenntnisse in einer ganz natürlichen Situation anwenden und lernte ganz nebenbei auch spezielles italienisches Radvokabular kennen. Solche ungeplanten Begegnungen waren für mich eine besonders schöne Erfahrung des Aufenthalts.

Auch Florenz selbst hat mich als Lernort überzeugt. Die Sprachschule war gut ausgestattet, die Lehrkräfte waren freundlich und kompetent. Durch die große Zahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern konnten viele unterschiedliche Kurse gebildet werden. Darüber hinaus wurden verschiedene Nachmittagsaktivitäten angeboten, durch die sich weitere Möglichkeiten ergaben, die Stadt und ihre Kultur kennenzulernen.

Die Zeit nach dem Unterricht konnte ich nutzen, um das vielfältige kulturelle Angebot von Florenz zu entdecken. Besonders interessant war für mich dabei der Vergleich mit Rom, das wir im Rahmen unserer jährlichen Studienfahrt mit der Jahrgangsstufe 11 besuchen. So bot beispielsweise die Kuppel von Filippo Brunelleschi über dem Florentiner Dom einen unmittelbaren Anknüpfungspunkt: Sie gilt als architektonisches Vorbild für die Kuppel des Petersdoms in Rom. Auch die zahlreichen Exponate in den Uffizien, der Galleria dell’Accademia und im Palazzo Pitti ermöglichten einen vertieften Einblick in die Kunst- und Kulturgeschichte Italiens.

Insgesamt war der Erasmus+-Aufenthalt in Florenz für mich sowohl sprachlich als auch kulturell eine sehr gewinnbringende Erfahrung. Die Kombination aus intensivem Sprachunterricht, internationalem Austausch und dem unmittelbaren Erleben einer italienischen Stadt hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, eine Sprache nicht nur theoretisch zu lernen, sondern sie auch tatsächlich zu hören und im Alltag zu verwenden. Die zwei Wochen in Florenz waren daher eine wertvolle Ergänzung zu meinen bisherigen Lernformen und zugleich eine interessante persönliche und berufliche Erfahrung.


 
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