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News 2026

Schulprojekt zur Geschichte der Kriegsgräberstätte Fullen

Informationstafeln, mehrsprachiger Audioguide und Website feierlich präsentiert

Von J. Kröger, 30.06.2026

Foto: Gerd Mecklenborg/Meppener Tagespost

Mit der Vorstellung einer mehrsprachigen Website und eines Audioguides haben Schüler:innen des Gymnasium Marianum Meppen ein außergewöhnliches Erinnerungsprojekt erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen einer Feierstunde am 29.06.2026 auf der Kriegsgräberstätte Fullen präsentierten sie ihre Arbeit zahlreichen Gästen aus Politik, Gedenkstättenarbeit und Schule.


Die Kriegsgräberstätte Fullen erinnert an die Opfer von Krieg, Zwangsarbeit und nationalsozialistischer Gewaltherrschaft. Hier ruhen 137 namentlich bekannte Tote sowie rund 1.500 überwiegend unbekannte sowjetische Kriegsgefangene. Darüber hinaus wird an italienische Militärinternierte sowie an die nach Fullen umgebetteten polnischen Verstorbenen aus der Zeit erinnert, als Haren (Ems) nach dem Zweiten Weltkrieg die polnische Stadt Maczków war.

Mit ihrer Website und dem Audioguide haben die Schüler:innen ein digitales Angebot geschaffen, das Besucherinnen und Besuchern die Geschichte der Kriegsgräberstätte auf vielfältige Weise näherbringt. Die einzelnen Stationen informieren über das ehemalige Lager Fullen, die sowjetischen Kriegsgefangenen, die italienischen Militärinternierten, die aus Maczków umgebetteten polnischen Toten sowie über die Gestaltung der Kriegsgräberstätte. Auch der italienische Künstler Francesco Frisone, der als Häftling im Lager Fullen seine Erlebnisse in Tagebüchern und Zeichnungen festhielt, wird ausführlich vorgestellt.

Besonders bemerkenswert ist die internationale Ausrichtung des Projekts: Alle Texte wurden von den Schüler:innen in deutscher, englischer, polnischer, italienischer und russischer Sprache erstellt und auch in allen fünf Sprachen für den Audioguide eingesprochen. So wird das Angebot Besucherinnen und Besuchern unterschiedlicher Herkunft zugänglich gemacht.

Inhaltlich wurde das Projekt von der Klasse 11a sowie einer Projektgruppe der Klasse 10a unter der Leitung der Lehrkräfte Uli Weßling und Johannes Kröger erarbeitet. Die technische Umsetzung der Website und des Audioguides lag in den Händen von Maximilian Frericks (Klasse 11a), der das Projekt mit großem zeitlichen und technischem Engagement realisierte. Unterstützt wurde er dabei von Eric Erbacher.

Zu Beginn der Feierstunde unterstrich Zbigniew Leszczynski, Vertreter des Landkreises Emsland und Partnerschaftsbeauftragter für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, die große Bedeutung der Erinnerungsarbeit. Gerade wenn junge Menschen Geschichte erforschten und selbst vermittelten, leisteten sie einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und zur internationalen Verständigung.


Martin Tecklenburg, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Meppen, dankte den Schüler:innen für ihr Engagement und berichtete von seinen persönlichen Erfahrungen als Kind der Nachkriegszeit. Sein Beitrag machte deutlich, wie wichtig die Weitergabe historischer Erfahrungen an die nachfolgenden Generationen ist.


Dr. Martin Koers, Co-Leiter der Gedenkstätte Esterwegen, ordnete das Projekt in einen größeren Zusammenhang ein. Mit der Einweihung der neuen Informationstafeln auf der Kriegsgräberstätte Fullen werde ein fünfjähriges Projekt abgeschlossen, in dessen Verlauf alle Kriegsgräberstätten der ehemaligen Emslandlager mit neuen Informationstafeln ausgestattet wurden – stets in enger Zusammenarbeit mit Schulen der Region.


Anschließend stellte Lea Horstmann, studentische Mitarbeiterin der Gedenkstätte Esterwegen, Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit zur Kriegsgräberstätte Fullen vor und gab einen historischen Überblick über das ehemalige Lager Fullen und den Lagerfriedhof. Für sie war die Veranstaltung auch persönlich etwas Besonderes: 2019 legte sie selbst ihr Abitur am Gymnasium Marianum Meppen ab und begleitete nun als studentische Mitarbeiterin das Projekt ihrer ehemaligen Schule.


Kristina Seibel, Bildungsreferentin des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Bezirksverband Weser-Ems, würdigte den Einsatz der Schüler:innen und hob hervor, welchen wichtigen Beitrag Projekte dieser Art für eine lebendige Erinnerungskultur leisten.

Schulleiter Hermann-Josef Rave dankte den beteiligten Schüler:innen, den betreuenden Lehrkräften sowie allen Kooperationspartnern und Förderern für die gelungene Zusammenarbeit. Sein Dank galt insbesondere der Firma Frericks Reisen aus Dörpen sowie dem Ehemaligen- und Förderverein des Gymnasium Marianum, die das Projekt maßgeblich unterstützten. Kooperationspartner des Projekts waren neben dem Gymnasium Marianum Meppen die Gedenkstätte Esterwegen und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.


Für die musikalische Umrahmung der Veranstaltung sorgten Sophia Gramajo an der Violine und Jakob Knief an der Posaune.


Den Abschluss der Feierstunde gestalteten die Schüler:innen selbst. Sie präsentierten den Gästen ihre Website und den Audioguide, erläuterten den Entstehungsprozess und machten deutlich, weshalb ihnen das Projekt besonders am Herzen liegt. Erinnerungskultur, so betonten sie, müsse auch für kommende Generationen zugänglich bleiben. Digitale Angebote wie der mehrsprachige Audioguide könnten dazu beitragen, historische Orte verständlich zu vermitteln und Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander ins Gespräch zu bringen.


Mit dem Projekt ist ein nachhaltiges Bildungsangebot entstanden, das historische Forschung, digitale Medien und internationale Verständigung miteinander verbindet. Zugleich zeigt es eindrucksvoll, wie junge Menschen Verantwortung für die Erinnerung an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft übernehmen können.


 
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