„Meet a Jew“ – Ein besonderes Gespräch in unserer Klasse
Von Luise Gierets, 11c, 23.03.2026
Im Rahmen des Projekts „Meet a Jew“ hatten wir vor Kurzem besonderen Besuch in unserer Klasse. Drei junge jüdische Menschen – zwei Geschwister und ein Freund von ihnen, alle etwa Anfang 20 – kamen zu uns, um mit uns über ihr Leben, ihren Glauben und ihre Erfahrungen zu sprechen. Alle drei sind Ehrenamtliche des Begegnungsprojekts „Meet a Jew“ vom Zentralrat der Juden in Deutschland.
Am Anfang waren viele von uns ehrlich gesagt ein bisschen skeptisch. Wir dachten, dass das Gespräch vielleicht eher trocken oder langweilig werden könnte. Doch schon nach kurzer Zeit hat sich gezeigt, dass genau das Gegenteil der Fall war. Die drei Gäste haben direkt gesagt, dass wir wirklich alles fragen dürfen und dass keine Frage zu dumm ist. Dadurch entstand schnell eine sehr offene und entspannte Atmosphäre.
Interessant war auch, dass man den meisten von ihnen gar nicht angesehen hat, dass sie jüdisch sind. Nur einer der drei trug eine Kippa. Er erzählte uns, dass er die Kippa momentan bewusst als eine Art Social Experiment trägt, um zu beobachten, wie Menschen darauf reagieren.
Ein großes Thema im Gespräch war Antisemitismus. Viele von uns waren überrascht – und ehrlich gesagt auch ziemlich schockiert – zu hören, wie stark Juden teilweise noch heute damit konfrontiert sind. Die drei berichteten von Beleidigungen, Bedrohungen und sogar von körperlichen Angriffen mit Messern. Erschreckend fanden wir auch, dass wir ihre Namen in diesem Artikel aus Sicherheitsgründen nicht nennen dürfen.
Außerdem erzählten die beiden Geschwister viel über ihren eigenen religiösen Weg. Früher waren sie nicht besonders religiös. Dann gab es eine Zeit, in der sie ihren Glauben sehr streng lebten. In dieser Phase verbrachten sie auch zwei Jahre in Israel und hielten sich sehr genau an religiöse Regeln – zum Beispiel jeden Tag eine Kippa tragen, sich bescheiden kleiden oder streng auf religiöse Vorschriften achten. Mittlerweile sind sie jedoch wieder deutlich weniger streng religiös. Sie feiern zwar noch einige Feste, halten sich aber nicht mehr an alle Regeln. Zum Beispiel achten sie nicht mehr so strikt darauf, Milch- und Fleischprodukte zu trennen, und auch den Schabbat – den jüdischen Ruhetag – begehen sie heute lockerer als früher. Ihr Freund dagegen war nach eigener Aussage noch nie besonders religiös.
Natürlich haben wir auch über den aktuellen Konflikt zwischen Israel und Palästina gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass das Thema sehr komplex ist und viele persönliche Erfahrungen eine Rolle spielen. Einer unserer Gäste berichtete sogar, dass er als israelischer Soldat in einem Einsatz in Palästina war, bei dem israelische Geiseln befreit werden sollten.
Für viele von uns war dieses Treffen der erste direkte Kontakt mit Jüdinnen und Juden. Gerade deshalb war es besonders spannend, persönliche Geschichten und unterschiedliche Lebenswege kennenzulernen. Das Gespräch war offen, ehrlich und teilweise auch sehr bewegend.
Am Ende können wir sagen: Unsere anfängliche Sorge, dass die Begegnung langweilig werden könnte, war völlig unbegründet. Stattdessen war es ein sehr interessantes und lehrreiches Gespräch, bei dem wir viele neue Einblicke bekommen haben – über Religion, persönliche Entscheidungen und auch über die Herausforderungen, mit denen jüdische Menschen heute noch konfrontiert sind.



