Taizé-Fahrt

 

28 Oberstufenschülerinnen lernen einen besonderen Ort kennen


Von Lea Fischer, 16.11.2012
"Taize" - Wenn man dieses Wort hört, denkt man an einen einsamen Berg, mitten in der Pampa, mit ekligem Essen, vielen frommen, religiösen Menschen, beten und Langeweile. Wer sich etwas mehr darüber informiert hat, weiß, dass ungefähr 100 Mönche und viele Freiwillige ohne Spenden anzunehmen, den Laden am Laufen halten, jedes Jahr tausende von Menschen dorthin pilgern und die meisten zufrieden nach Hause kommen.

Das, womit die Mönche einen locken, nennen sie „Selbstfindung“. Nach einer Woche soll man wissen, wer man wirklich ist. Doch als wir, 28 Mädchen, Frau Reininger, Herr Hogarz und die FSJlerin Christina, los gefahren sind, hatte sich wohl keiner das Ziel gesetzt sich selbst zu finden. Der erste Tag war der totale Schock, es regnete, es war kalt, denn obwohl 20 Grad versprochen waren, fühlte es sich an wie -10. Zum Essen gab es kalten Linseneintopf und die Klos und Duschen waren seit Samstag nicht mehr geputzt worden. Und trotzdem hat sich niemand unterkriegen lassen, wir hatten ja auch keine richtige Wahl, denn öffentliche Verkehrsmittel nach Norddeutschland sind eher selten vorhanden. Wir haben durchgehalten und haben weitergemacht und es wurde von Tag zu Tag besser.

Wir lernten die Menschen dort kennen, fanden Freunde und gingen zu den Gebeten, die so ganz anders sind, als hier zuhause. Die Stunde, die man dreimal täglich in der Kirche verbringen kann, fühlt sich an wie zehn Minuten, es wird gesungen und aus der Bibel vorgelesen, aber so langweilig sich das hier auch anhört, wir sind alle mindestens einmal am Tag hingegangen. Denn es ist egal, aus welcher Motivation und mit welchem Gefühl man dorthin fährt, am Ende kommen die meisten wieder und sind begeistert. Das Leben in Taizé ist wie eine Parallelwelt, die man nicht nachahmen und nicht erklären kann. Das, was da passiert, die Erfahrungen, die man macht, sind im wahrsten Sinne des Wortes unbeschreiblich.

Deswegen hören sich wohl auch so viele Berichte so komisch und abgehoben an, für die, die noch nicht da waren. Man kommt nach Hause und die Mama fragt: „Na Schätzchen, wie war’s denn?“ und alles, was man sagen kann ist: „Gut.“ Wenn man jetzt versucht es genauer zu erklären, merkt man schnell, es ist unmöglich. Klar, man kann sagen, das Essen ist eigentlich nicht so schlecht, das Kloputzen auch nicht allzu schlimm, es laufen dort viele normale und nette Leute herum…

Aber das, was einen wirklich überrascht, wirklich umgehauen hat, war so ein ganz bestimmtes Gefühl von Gemeinschaft, Entspannung und Leben. Alle, die mich jetzt fragen: „Wie war’s in Taizé , was habt ihr so gemacht?“ und dabei hämisch lächeln, denen geb ich mit einem breiten Grinsen zurück: „Fahr doch selbst hin und sieh es dir an!“