Gymnasium Marianum
Meppen
Sie sind hier: Home News 26.05.10

Frankreichaustausch



10 Tage in Nantes 

 
Von Elena, Anna, Carolin
Treffen um 4 Uhr morgens, der absolute Horror, und das war schon die zweite schlechte Nachricht, die wir verdauen mussten! Während des ersten Nachmittages zur Vorbereitung des Austausches hatten die Lehrer mit der Ankündigung einer Gewichtsbegrenzung von 15 Kilo Gepäck schon für Unmut gesorgt.
Und dann ging’s los: mit 57 verschlafenen Schülern und drei hoch motivierten Lehrern in einem bis zum Limit ausgelasteten Bus ab über 2 Grenzen, 1028 Kilometer und mit Zwischenstopp in der Stadt der Liebe. Die ersten Stunden wurden überwiegend mit Schlafen und Essen verbracht, bevor wir dann in Paris unsanft von den Straßenverkäufern aus unseren Träumen gerissen wurden. Kaum verließen wir die Enge des stickigen und schlecht belüfteten Busses, umringten uns gleich 10 „Maghrébins“, die uns ihre Eiffeltürme verkaufen wollten und machten uns das Einatmen der wenig gesunden Pariser Stadtluft noch schwerer. Doch auch nachdem man sich an ihnen vorbei gedrängt hatte, oft um einige Euro ärmer, bedeutete das keineswegs Entspannung, denn wie es sich für Touristen gehört, erhoffte sich jeder einige schöne Bilder mit dem Eiffelturm im Hintergrund.
Schon nach einer halben Stunde hieß es zurück in den Bus, der uns unaufhaltsam unserem Ziel Nantes näher brachte. Spätestens eine halbe Stunde vor Ankunft waren alle so aufgeregt, dass keiner mehr ruhig auf seinem Platz sitzen bleiben konnte, und jedes Schild mit der Aufschrift „Loquidy“ wurde mit einer Mischung aus Angst, Neugierde, Unsicherheit, aber auch ganz viel Vorfreude registriert. Als der Bus schließlich hielt und der Busfahrer scherzhaft vorschlug „Wer möchte, kann im Bus sitzen bleiben, wir fahren jetzt gleich wieder zurück“, waren viele nicht komplett abgeneigt, sich vor der unbekannten Situation zu drücken.
Doch schon bald zeigte sich auf den ersten Gesichtern ein Lachen, als die ersten von ihren „Corres“ abgeholt und herzlich mit den in Frankreich typischen Küsschen empfangen wurden. Als sich dann am nächsten Morgen alle wieder zusammenfanden, gab es kein Halten mehr. Es wurden die ersten Erfahrungen ausgetauscht, und Fragen wie „Gibt es in eurem Bad auch keine Toilette?“ „Schlaft ihr im gleichen Zimmer?“ „Wie sind die Eltern und Geschwister?“ und „Was habt ihr gegessen?“ tauchten auf.
Nachdem wir morgens die Stadt Nantes erkundet und einige Unterrichts- bzw. Gruppenstunden gehabt hatten, gab es dann den offiziellen Empfang im Rathaus von Nantes, bei dem wir das Vorurteil, Deutsche würden immer essen, eindrucksvoll bestätigten. Am zweiten Tag folgte die erste Tagesfahrt nach Rennes, bei der eine Stadtrallye und anschließend Shoppen auf dem Plan standen. Wieder wechselte einiges Geld den Besitzer und es wurde der ein oder andere Kilometer zurückgelegt, um seine Aufgaben zu erledigen oder um schöne Geschäfte zu finden.
Wie in Frankreich üblich wurde der Mittwoch mit offenen Armen empfangen, schließlich würde es der einzige Tag der Woche bleiben, an dem die Schule um 12 Uhr zu Ende war. Viele Franzosen hatten sich überlegt, diesen Tag für eine Gemeinschaftsaktion zu nutzen, sodass die Schlittschuhbahn von Deutschen „bevölkert“ wurde, da zusätzlich noch einige Deutsche aus Stuttgart, die an einem anderen Austausch teilnahmen, dort waren.
Doch Moment mal – haben wir nicht etwas vergessen? Erst 5 Tage nach unserer Ankunft (der Austausch dauert wohlgemerkt nur 10 Tage!) wurden wir dann morgens im Lycée Privé Polyvalent St Jean-Baptiste de La Salle und abends im Loquidy, begleitet von einigen musikalischen Darstellungen von deutscher sowie von französischer Seite, offiziell empfangen. Zwischen diesen beiden Empfängen besuchten wir mit der deutschen Truppe die Île de Nantes, wo wir uns vor einem riesengroßen, wasserspritzenden Elefanten in Sicherheit bringen mussten (Les Machines de l'Île de Nantes). Und schon wieder trafen wir eine deutsche Reisegruppe, die genau wie wir mit Rucksäcken voller Verpflegung und Fotoapparaten ausgerüstet auf Erkundungstour war. Am 5. Tag wurde das Wetter, bis jetzt immer regnerisch und kalt, endlich unseren Erwartungen gerecht und man konnte die schöne Landschaft während der Küstenfahrt mit Sonnenbrille genießen. Dabei standen wir ganz schön unter Zeitdruck, da unter anderem La Baule (der längste Strand Europas), St-Nazaire (Escal’Atlantique), Côte sauvage (wo die Felsen und Klippen zum Klettern einluden), le Croisic und Guérande (bekannt für das fleur de sel) auf dem Programm standen. Das Wochenende wurde jeweils in der eigenen Gastfamilie verbracht, wobei sich einige zu Gemeinschaftsausflügen zusammengetan haben. So wurden viele verschiedene und interessante Erfahrungen gesammelt und sorgten für einige Überraschungen am Montagmorgen! Der Gewinn eines (lebenden) Albinohasen stellte die Lehrer vor einige organisatorische Probleme und sorgte für einige Lacher. Diese standen im starken Kontrast zu dem einsetzenden Regen am Anfang der zweiten Woche. Außerdem machte sich langsam die erste Aufbruchstimmung unter den Deutschen breit, was noch verstärkt wurde durch den Besuch eines Hypermarchés, wo wir uns mit reichlich Essen für die Rückfahrt versorgten. Und schon war der letzte Tag des Austausches gekommen: Nach einem erneuten Lauf zu der anderen Schule standen noch eine Korrekturstunde und abschließende Evaluation auf dem Programm, bei der wir sowohl gute als auch schlechte Kritik über den Aufenthalt anbringen konnten und schließlich sogar M. Le Tousse sein Lob darüber aussprach, was für eine angenehme und motivierte Gruppe wir doch trotz der vielen Schüler gewesen seien. Am Nachmittag besuchten wir noch ein Weingut in der Nähe, wo eine kurze Besichtigung sowie, zur Freude aller, eine kleine Weinprobe stattfanden. Der Besuch endete schließlich damit, dass beinahe jeder Schüler ein oder zwei Flaschen für zu Hause mitnahm. So wurde dann noch der letzte Abend in der Gastfamilie verbracht, bevor wir uns am nächsten Morgen um 7 Uhr zur Abfahrt trafen. Einige mehr oder weniger tränenreiche Verabschiedungsszenen später machten wir uns dann also mit gemischten Gefühlen auf in Richtung Heimat. Nach einer erneuten langen Fahrt und einigen Stunden im Stau freuten sich schließlich alle, endlich wieder zu Hause zu sein.
Alles in allem lässt sich sagen, dass es ein toller Austausch war, bei dem wir viele neue Erfahrungen gesammelt haben!