Gymnasium Marianum
Meppen
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Synagogenbesuch



Besuch der Synagoge in Osnabrück

 
Von Jork Breier
Am 29.04.10 brach das Seminarfach „Religiöse Minderheiten“ von Herrn Fuest zu einer Exkursion nach Osnabrück auf, um die dortige Synagoge zu besuchen. Die Führung für die Schüler des Jahrgangs Q2 (Jg. 11 und 12) leitete Frau Lea Mor, Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde Osnabrück und Tochter der im Emsland bekannten Jüdin Erna de Vries aus Lathen.

Nachdem die männlichen Schüler am Eingang der frisch renovierten und umgebauten Synagoge Kopfbedeckungen, sogenannte Kippas, erhielten, wurden sie zusammen mit ihren Mitschülerinnen in den eigentlichen Gebetsraum, der für ca. 80 Personen Platz bietet und für größere Feste erweitert werden kann, geleitet. Auffällig waren die Trennung von Männern, die während des Gottesdiensts im Mittelgang Platz nehmen, und Frauen, für die an beiden Seiten des Raumes erhöhte Bänke reserviert sind. Frau Mor wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es sich in Osnabrück um eine konservative Gemeinde handele, damit Juden jeder Gesinnung die Möglichkeit gegeben werden könne, ihren Glauben dort zu praktizieren. Es würden jedoch auch durchaus liberale Juden, die sich dann den strengen Geboten anpassen, die Synagoge besuchen.

Ein Höhepunkt der Führung war sicherlich die schmuckvolle Torarolle, die Frau Mor den Schülern präsentierte. Diese hebräische Version der Fünf Bücher Mose war, wie jede in der Synagoge verwendete Tora, von einem speziell ausgebildeten Juden im Zeitraum eines Dreivierteljahres in mühevoller Arbeit handschriftlich erstellt worden.

Sehr erfreut zeigte sich Frau Mor über die endlich fertigstellten Umbauarbeiten der Synagoge. Die neuen Räumlichkeiten bieten nun ausreichend Platz für die insgesamt 1000 Juden umfassende Gemeinde, deren Mitglieder sich auf den Kreis Osnabrück, die Grafschaft Bentheim und das Emsland verteilen. Einen großen Anteil stellen hierbei viele aus der Sowjetunion stammende Juden, welche die vor dem Mauerfall 60 Mitglieder umfassende Gemeinde stark vergrößerten. Ein Zeichen ihrer Präsenz sind auf russisch verfasste Schilder in der Synagoge, wie z.B. an der Eingangstür.

Den zahlreichen Fragen der Schüler stand Frau Mor Rede und Antwort und erwähnte dabei das harmonische Verhältnis zu christlichen Gemeinden, die für den Umbau der Synagoge insgesamt 60.000 € in ihren Kollekten gesammelt hatten. Auch der katholische Bischof Bode sei ein guter Freund der Gemeinde. So stellte er den Osnabrücker Juden während der Umbauarbeiten einige Räumlichkeiten zur zwischenzeitlichen Gemeindearbeit zur Verfügung.

Nach etwa zwei Stunden und vielen neuen Erkenntnissen über das Judentum dankten die Schüler um Herrn Fuest Frau Mor bei der Übergabe eines kleinen Präsents recht herzlich für ihre sehr gelungenen Führung und machten sich mit dem Bus auf die Rückfahrt zum Marianum.