Von Florian Lammers
Wirklich große Chancen hatte ich mir nicht ausgerechnet, als
ich im Radio von der Ausschreibung des 1. Jugendkulturpreises durch das
Kulturforum St. Michael in Lingen hörte. Da er allerdings mit
insgesamt 16.000€ dotiert war, was eine Seltenheit unter
vergleichbaren Wettbewerben darstellt, wollte ich doch wenigstens
hinterher sagen können, dass ich es wenigstens versucht hatte.
Ich bat also Herrn Deters – ihm sei hier noch einmal mein
tiefster Dank ausgesprochen, nicht zu letzt auch dafür, dass
wir Georg Trakl im Unterricht behandelt haben – um eine
Empfehlung, sammelte zusammen, was sich auf meinem Schreibtisch an
Lyrik fand, und schickte die Manuskripte auf gut Glück ein.
Entsprechend darf man sich meine Überraschung vorstellen, als
mir zwei Briefe mitteilten, dass ich es nicht nur unter die
Nominierten, sondern sogar unter die Preisträger geschafft
hatte.
Bevor ich mich nun jedoch der Gala anlässlich der
Preisverleihung selbst widme, einige Worte zum Rahmen des Wettbewerbs:
Die Idee, einen Wettbewerb für 14- bis 25jährige aus
der Region Emsland und Grafschaft Bentheim zu veranstalten, hatten
Katrin Kellermann und Norbert Radermacher, die auch die Organisation
auf sich genommen haben. Ursprünglich war vorgesehen, dass es
jeweils einen dritten bis ersten Platz in den vier Kategorien
Darstellende Kunst, Musik, Bildende Kunst/Medien und Literatur geben
sollte: Letztendlich war die Auswahl der Preisträger aus den
80 Bewerbungen wohl doch ein wenig verworrener und komplizierter als
ursprünglich angenommen, weswegen die Jury einige
Platzierungen doppelt belegte und vielfach zusätzliche
Förderpreise an jene vergab, die sich z.B. nicht durch totale
Perfektion, aber durch ein ungewöhnlich hohes Maß an
Kreativität auszeichneten.
Die Gala selbst war mit ganz offensichtlich großer Liebe zum
Detail durchgeplant worden, weswegen ein Gros der Preisträger
sich schon gegen Mittag zusammenfand, um sich den Vorbereitungen der
Veranstaltung, die erst am Abend stattfinden sollte, zu widmen. Zeit
genug also, sich die Exponate der Preisträger in der Kategorie
Bildende Kunst anzusehen. Hier belegte die Photographin Hong Truc Vy
Pham den dritten, Maler Nils Kotulla den zweiten, und Allround-Talent
Matthias Grottendieck den ersten Platz. Der Förderpreis ging
an Martin Marrong für seine Dokumentation über den
zweiten Weltkrieg in Nordhorn.
Schließlich wurde die Gala mit den Preisen in der Sparte
Musik eröffnet. Den dritten Preis erhielt der Trompeter
Frithjof Zeltwanger und den zweiten die Sopranistin Sarah Bouwers. Die
Pianistin Julia Hermanski konnte ihren ersten Preis leider nicht selbst
in Empfang nehmen, weil sie, wenn ich mich recht erinnere,
zufällig genau an diesem Tag mit den Luxemburger
Philharmonikern spielen musste. Ebenfalls absent war der
Träger des Förderpreises, Marten Berger, der als
einziger Preisträger sich nicht der klassischen Musik, sondern
Rock und Jazz verschrieben hatte.
Die Darstellenden Künste war durch Tom Wolf, der für
seine Musicals den dritten Preis erhielt, den Äquilibristen
Thomas Michel und den Diabolo-Jongleur Milan Blunk, die sich einen
gleichermaßen verdienten ersten Platz teilten, vertreten. Den
Förderpreis erhielt das Jugendensemble der spielBühne
Lingen, ohne deren Mitarbeit die Gala vermutlich in sich selbst
zusammengefallen wäre – überall mischten
sie mit und fielen vor allem durch ihre Kooperationen mit Sarah Bouwers
auf.
In der Sparte Literatur wurde der Förderpreis der Klasse 10bR
der Heinrich-Middendorf Schule aus Aschendorf verliehen, als
vorbildliches Beispiel dafür, dass auch im Schulunterricht
ungeahntes Talent ans Tageslicht treten kann. Die weitere Verteilung
der Platzierungen mag noch bizarrer anmuten als die der Darstellenden
Künste: Es gab lediglich zwei zweite Plätze, die
Viktoria von Kerssenbrock und meine Wenigkeit belegten. Das mag zum
einen daran gelegen haben, dass es in dieser Kategorie wider Erwarten
nur wenige Einsendungen gab, zum anderen aber auch daran, dass wohl
kaum zwei Stücke unterschiedlicher waren, als unsere beiden.
Während man sich den Namen Kerssenbrock vormerken sollte, weil
er vielleicht mal in den Bestsellerlisten auftauchen könnte,
läge ich, wie mir später eine Jurorin sagte,
„links und rechts des Mainstreams“. Ich
persönlich kann dazu nur sagen, dass es dort auch sehr
schön ist.
Nun ja, letztendlich kann ich wohl behaupten, dass ich selten zuvor an
einem einzigen Tag Zeuge eines solchen Überflusses an
Kreativität, vom Ausdruck reinster Ästhetik bis hin
zu ihren bizarreren, aber umso interessanteren Austrieben, geworden
bin.
Und bevor ich es vergesse: Der Titel „ Erster
Jugendkulturpreis“ ist nicht frei aus der Luft gegriffen, ich
bitte also – und hier fühlen sich bitte nicht nur
alle Schüler und Schülerinnen, sondern ebenso
Deutsch-, Kunst- und Musiklehrer, die das eine oder andere Talent in
ihrer Klasse oder ihrem Kurs wähnen, angesprochen –
dringlichst um Nachahmung
|