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Florian Lammers


JUGENDKULTURPREIS
„TALENTE 2009“

 
Von Florian Lammers
Wirklich große Chancen hatte ich mir nicht ausgerechnet, als ich im Radio von der Ausschreibung des 1. Jugendkulturpreises durch das Kulturforum St. Michael in Lingen hörte. Da er allerdings mit insgesamt 16.000€ dotiert war, was eine Seltenheit unter vergleichbaren Wettbewerben darstellt, wollte ich doch wenigstens hinterher sagen können, dass ich es wenigstens versucht hatte.

Ich bat also Herrn Deters – ihm sei hier noch einmal mein tiefster Dank ausgesprochen, nicht zu letzt auch dafür, dass wir Georg Trakl im Unterricht behandelt haben – um eine Empfehlung, sammelte zusammen, was sich auf meinem Schreibtisch an Lyrik fand, und schickte die Manuskripte auf gut Glück ein. Entsprechend darf man sich meine Überraschung vorstellen, als mir zwei Briefe mitteilten, dass ich es nicht nur unter die Nominierten, sondern sogar unter die Preisträger geschafft hatte.

Bevor ich mich nun jedoch der Gala anlässlich der Preisverleihung selbst widme, einige Worte zum Rahmen des Wettbewerbs: Die Idee, einen Wettbewerb für 14- bis 25jährige aus der Region Emsland und Grafschaft Bentheim zu veranstalten, hatten Katrin Kellermann und Norbert Radermacher, die auch die Organisation auf sich genommen haben. Ursprünglich war vorgesehen, dass es jeweils einen dritten bis ersten Platz in den vier Kategorien Darstellende Kunst, Musik, Bildende Kunst/Medien und Literatur geben sollte: Letztendlich war die Auswahl der Preisträger aus den 80 Bewerbungen wohl doch ein wenig verworrener und komplizierter als ursprünglich angenommen, weswegen die Jury einige Platzierungen doppelt belegte und vielfach zusätzliche Förderpreise an jene vergab, die sich z.B. nicht durch totale Perfektion, aber durch ein ungewöhnlich hohes Maß an Kreativität auszeichneten.

Die Gala selbst war mit ganz offensichtlich großer Liebe zum Detail durchgeplant worden, weswegen ein Gros der Preisträger sich schon gegen Mittag zusammenfand, um sich den Vorbereitungen der Veranstaltung, die erst am Abend stattfinden sollte, zu widmen. Zeit genug also, sich die Exponate der Preisträger in der Kategorie Bildende Kunst anzusehen. Hier belegte die Photographin Hong Truc Vy Pham den dritten, Maler Nils Kotulla den zweiten, und Allround-Talent Matthias Grottendieck den ersten Platz. Der Förderpreis ging an Martin Marrong für seine Dokumentation über den zweiten Weltkrieg in Nordhorn.

Schließlich wurde die Gala mit den Preisen in der Sparte Musik eröffnet. Den dritten Preis erhielt der Trompeter Frithjof Zeltwanger und den zweiten die Sopranistin Sarah Bouwers. Die Pianistin Julia Hermanski konnte ihren ersten Preis leider nicht selbst in Empfang nehmen, weil sie, wenn ich mich recht erinnere, zufällig genau an diesem Tag mit den Luxemburger Philharmonikern spielen musste. Ebenfalls absent war der Träger des Förderpreises, Marten Berger, der als einziger Preisträger sich nicht der klassischen Musik, sondern Rock und Jazz verschrieben hatte.

Die Darstellenden Künste war durch Tom Wolf, der für seine Musicals den dritten Preis erhielt, den Äquilibristen Thomas Michel und den Diabolo-Jongleur Milan Blunk, die sich einen gleichermaßen verdienten ersten Platz teilten, vertreten. Den Förderpreis erhielt das Jugendensemble der spielBühne Lingen, ohne deren Mitarbeit die Gala vermutlich in sich selbst zusammengefallen wäre – überall mischten sie mit und fielen vor allem durch ihre Kooperationen mit Sarah Bouwers auf.

In der Sparte Literatur wurde der Förderpreis der Klasse 10bR der Heinrich-Middendorf Schule aus Aschendorf verliehen, als vorbildliches Beispiel dafür, dass auch im Schulunterricht ungeahntes Talent ans Tageslicht treten kann. Die weitere Verteilung der Platzierungen mag noch bizarrer anmuten als die der Darstellenden Künste: Es gab lediglich zwei zweite Plätze, die Viktoria von Kerssenbrock und meine Wenigkeit belegten. Das mag zum einen daran gelegen haben, dass es in dieser Kategorie wider Erwarten nur wenige Einsendungen gab, zum anderen aber auch daran, dass wohl kaum zwei Stücke unterschiedlicher waren, als unsere beiden.

Während man sich den Namen Kerssenbrock vormerken sollte, weil er vielleicht mal in den Bestsellerlisten auftauchen könnte, läge ich, wie mir später eine Jurorin sagte, „links und rechts des Mainstreams“. Ich persönlich kann dazu nur sagen, dass es dort auch sehr schön ist. Nun ja, letztendlich kann ich wohl behaupten, dass ich selten zuvor an einem einzigen Tag Zeuge eines solchen Überflusses an Kreativität, vom Ausdruck reinster Ästhetik bis hin zu ihren bizarreren, aber umso interessanteren Austrieben, geworden bin.

Und bevor ich es vergesse: Der Titel „ Erster Jugendkulturpreis“ ist nicht frei aus der Luft gegriffen, ich bitte also – und hier fühlen sich bitte nicht nur alle Schüler und Schülerinnen, sondern ebenso Deutsch-, Kunst- und Musiklehrer, die das eine oder andere Talent in ihrer Klasse oder ihrem Kurs wähnen, angesprochen – dringlichst um Nachahmung