Projekt von Schülern und Inhaftierten
Sichtbare Spuren hinterließ in der Mehrzweckhalle der
Justizvollzugsanstalt Meppen-Versen ein gemeinsames Projekt von
Schülern
des Gymnasium Marianum und Inhaftierten der JVA. Vier große
Gemälde schmücken seit dem vergangenen Wochenende die
Bühne des Raumes.
Entstanden ist das Gemeinschaftwerk nach Angaben von Lehrer Christoph
Migura als eines von vier Projekten im Seminarfach
„Soziale Gerechtigkeit“ der Jahrgangsstufe 13. In
einem Gespräch mit der Bildungsbeauftragten der JVA Meppen,
Nicola Wimmers,
einigte man sich mit Blick auf das Vorhaben, von Schülern und
jungen Inhaftierten gemeinsam Kunst für den Knast zu
gestalten,
schnell auf den konkreten Arbeitsauftrag, das bislang eher
nüchtern wirkende Ambiente der Mehrzweckhalle durch Bilder,
die an
der Rückwand der Bühne Platz finden sollten,
aufzuheben. Dabei sollten die in ihrer Aussage zueinander passenden
Darstellungen,
die sich auf das Thema Musik beziehen, nicht im Widerspruch zum
angrenzenden und lediglich durch eine mobile Türwand
getrennten
Gottesdienstraum stehen.
Zusammen mit acht Schülerinnen und Schülern des
Gymnasiums Marianum nahmen fünf junge Inhaftierte das
Gemeinschaftprojekt in Angriff.
Nachdem man sich im Vorfeld zu einem Kennenlerngespräch
getroffen hatte und in der Schule entsprechende Vorentwürfe
gefertigt
worden waren, stand am vergangenen Wochenende in der
Justizvollzugsanstalt die praktische Umsetzung von Bildskizzen in
großflächige Bilder auf dem Programm.
Einen ganzen Tag lang arbeiteten die 13 jungen Leute konzentriert an
ihren vier Bildern und erlebten bei ihrer kreativen
Tätigkeit in entspannter Atmosphäre Gemeinsamkeit und
Freude an einem aufgrund einer Leistung wachsenden Kunstwerk. Als
neutraler Beobachter spürte man förmlich, wie die
gemeinsame Arbeit gerade auch den jungen Gefangenen half,
verschüttetes
Talent und Motivation mit Begeisterung neu zu beleben.
„Für mich ist dieses Zusammentreffen auf jeden Fall
eine Bereicherung“, erklärte eine
Schülerin. Nachdenklich gestimmt habe
sie die Schilderung eines Häftlings, der sehr offen und direkt
über seinen „Weg in den Knast“ gesprochen
habe. Immer wieder
seien die Gäste nach dem Schulleben und auch nach ihren
Berufswünschen und Möglichkeiten nach dem Abitur
gefragt worden.
„Da klangen manchmal auch etwas Einsamkeit und das Bedauern
verpasster Chancen durch“, meinte eine andere
Schülerin.
In den Gesprächen während der Arbeit und in den
Pausen erhielten die Schüler aus dem Marianum auch –
wenn auch nur kleine –
Einblicke in die psychische Situation der jungen Straftäter im
Lauf des Gerichtsprozesses und während der Haft und in die
individuell unterschiedlichen Wirkungen des Haftalltags auf die
Einsitzenden. „Es tut uns gut, wenn man ohne Vorurteile auf
uns zugeht“, sagte einer der „Jungs“ aus
der JVA. „Es ist für beide Seiten ein Geben und
Nehmen“, fasste Nicola Wimmers das
Anliegen des Gemeinschaftsprojektes zusammen.
(nach einem Bericht in der Meppener Tagespost vom 17. 2. 2009)
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