Studienfahrt Toskana - gelungener Einbezug der Seminarfächer |
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Von R. Wilkens
Den Auftrag zur Erkundung von Flora und Fauna der Toskana,
nahmen vier Teilnehmer vielleicht etwas zu wörtlich.
Aber sie bewiesen dann durchaus italienische Haltung (fare „bella figura“)
beim Herausziehen von rund 50 Seeigelstacheln (ohne Narkose).
Die Beteiligung der anderen Schüler reichte von Kurzvorträgen
über die Waffentechnik Leonardos und den Aufbau eines Freskos
bis hin zur – auch praktisch erfolgreichen -
Vermittlung kulinarischer Genüsse.
Zum ersten Mal fand eine Kopplung mit der
Projektarbeit zweier Seminarfächer statt, was eine deutliche Bereicherung und
Aufwertung der Fahrt darstellte.
Ziel der drei Begleitlehrer Herr und Frau
Klinger und Frau Wilkens war die Wiederbelebung der klassischen,
Bildungsreise des 18. Jahrhunderts. Wer damals in Europa etwas auf sich hielt,
erkundete die Toskana, wo auf engstem Raum alle Bereiche menschlichen Wissens
von Kunst bis Politik vertreten war. Landschaft und Tradition sind verdientermaßen
weltberühmt und ihre Geschichte lässt sich bis zu den Etruskern zurückverfolgen.
Hier experimentierten die Renaissance-Architekten mit neuen Stilmerkmalen,
vermittelte der Pisaner Mathematiker Fibonacci die arabischen Zahlen und
erkannte der Florentiner Amerigo Vespucci als erster, dass Kolumbus einen
neuen Kontinent entdeckt hatte.
Bei meist strahlendem Sonnenschein gab
es auf der Studienfahrt also viel zu sehen- vor allem im sanften Bergland
zu beiden Seiten des Arno. Diesem Fluss rückten zwei Mitglieder der
Öko-Gruppe mit einem Analysekoffer zu Leibe, wobei ihnen ein Schicksal
wie das der Gerber und Fleischer drohte, die im Mittelalter mit Gewalt
von der Ponte Vecchio vertrieben wurden. Mit Wagemut, Geschick und Einsatz
eines Seiles ( sowie einer zerissenen Hose) gelangten sie, allen Verfolgern
zum Trotz, an ihre vermutlich gehaltvollen Wasserproben.
Abenteuerlich
gestaltete sich auch die Fahrt nach Carrara, weltbekannt für seinen weißen Marmor.
Fahrer Matthias Wessels wagte der Gruppe zuliebe mit seinem fast 14 Meter langen
Bus eine Fahrt über staubbedeckte Serpentinenstraßen und durch enge Tunnel des
Marmorgebirges. Die schwer zugänglichen, rund 300 Steinbrüche stammen noch aus der
Römerzeit und machen Carrara zum ältesten Industriestandort der Welt. Mario Giuntoni,
ein ehemaliger Verkehrpolizist, demonstrierte, wie aus Marmor Platten, Statuen und
Verzierungen entstehen und zeigte sich erschüttert, dass der Dichter Dante
deutschen Schülern weitgehend unbekannt ist. Diese Bildungslücke konnte dann
in Florenz endgültig geschlossen werden.
Das kleine Familienhotel der Familie
Crudeli bot der Gruppe eine gemütliche Unterkunft in Lido di Camaiore. Der Badeort
liegt an der 30 Kilometer langen, malerischen Versiliaküste , die auch toskanische
Rivera genannt wird. So kam der Spaß auf der Fahrt und das tägliche „passeggiata“
(traditioneller italienischer Abendbummel) auch dank der Großzügigkeit des
Hoteliers Maurizio nicht zu kurz.
Highlight der Fahrt war sicher die Wanderung
an der „Cinqueterre“. Zu den fünf, mit dem Auto nicht erreichbaren Dörfern der
ligurischen Felsküste führte uns die naturkundlich sehr gebildete, nette Reiseleiterin
Simonetta Biagi, die der einsatzfreudigen Projektgruppe “Botanik des Mittelmeeres“
auch noch Hilfe nach der Fahrt versprach.
Weitere Ziele waren:
Pisa mit seinem weltberühmten schiefen Turm und das an etruskischen Schätzen reiche Hinterland
Vinci, der Geburtsort Leonardos, der leider etwas enttäuschte, da dessen Museum mit den nachgebauten Maschinen Leonardos nur teilweise zugänglich war.
Die großen Stadtzentren Lucca und Florenz, seit den Medici immer noch florierende Handelsplätze.
In Florenz gab es Gelegenheit zur Besichtigung des einzigartigen Skulpturenparks auf der Piazza della Signoria,
der Uffizien (älteste Gemäldegalerie der Welt) und anderer Sehenswürdigkeiten.
Lucca erlaubte mit dem Torre Guinigi, einem eichenbewachsenen, imponierenden Wehrturm und der besterhaltenen
Renaissance-Wallanlage Europas sowie dem umgebauten römischen Amphitheater einen Sprung in die Vergangenheit.
Ein Picknick in der Schweizer Bergwelt, organisiert von der engagierten
Projektgruppe „Kulinarisches“, bildete hinter dem Gotthard-Tunnel den
pikanten Abschluss des Programms.
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