Gymnasium Marianum
Meppen
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Bildimpressionen


Frankreichaustausch 2007

 
Von Franz-Josef Kikker
Déjà vu! - Eindrücke vom 24. deutsch-französischen Schülerautausch zwischen dem Lycée Le Loquidy Nantes und dem Gymnasium Marianum Meppen (5. - 16. Mai 2007 in Nantes)

Déjà vu! Ja, was sich da am frühen Morgen des 5. Mai 2007 vor dem Gymnasium Marianum abspielte, hat man in der Tat schon einmal gesehen. Genauer gesagt: Es war bereits das 24. Mal, dass zu solch einer nächtlichen Stunde 44 schlaftrunkene Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 10 und 11 den Reisebus bestiegen, um ihre französischen Austauschpartner in Nantes zu besuchen.

Während der ersten Stunden der Busfahrt herrschte denn auch eine seltsame Mischung zwischen Müdigkeit und gespannter Erwartung. Gegen Mittag aber, als wir Paris erreichten, wandelte sich die Stimmung in neugierige Aufmerksamkeit, gab es doch so viel Neues, Unbekanntes und Überraschendes vom erhöhten Busfenster aus zu bestaunen: die Ausdehnung des Flughafens Charles de Gaulle, dessen Landepiste die vielspurige Autobahn in einem mächtigen Tunnel unterquert, der quirlige Verkehr, welcher offenbar permanent vor dem Kollaps zu stehen scheint, der orientalisch anmutende Markt unter den Brücken der oberirdischen Metrolinie nahe dem Kaufhaus Tati mit seinem begleitenden Verkehrschaos, die supermoderne Architektur der Opéra Bastille, die berühmte Rue de Rivoli mit - auf der rechten Seite - den teuren Geschäften unter den Arkaden und auf der gegenüber liegenden Seite der beeindruckenden Fassade des Louvre und dem Jardin des Tuileries, dann die riesige Place de la Concorde mit dem Obélisque sowie die prächtige Avenue des Champs-Élysées. Nach Umrundung des Arc de Triomphe gelangten wir schließlich vor das Palais de Chaillot an der Place du Trocadéro, wo eine halbstündige Pause eingelegt wurde, um ausführlich den Eiffelturm zu bestaunen und noch ausführlicher die üblichen Souvenirs (oft im ausgesprochen günstigen Dreierpack!) zu erstehen. Weiter ging es dann am frühen Nachmittag, vorbei an Chartres, Le Mans und Angers, bis wir schließlich am frühen Abend mehr als pünktlich vor dem Collège und Lycée Le Loquidy in Nantes ankamen. War das eine Freude, die Corres, mit denen man während deren Besuch in Meppen bereits Freundschaft geschlossen hatte, wiederzusehen! Die Begrüßung seitens der französischen Gastfamilien war ausgesprochen freundlich und gab einen ersten Eindruck von dem, was sich in den folgenden zehn Tagen weiter bestätigen sollte: eine fast ausnahmslos warmherzige Aufnahme und Gastfreundschaft gegenüber unseren Schülerinnen und Schülern.

Der nächste Tag, ein Sonntag, stand deshalb ganz im Zeichen des Kennenlernens von Nantes und seiner Umgebung, aber auch der Kontakte mit den Familien und Freunden der französischen Corres. Der Montag brachte wiederum viel Neues, galt es doch, zunächst den Schulweg zu bewältigen und erste Bekanntschaft mit dem hervorragenden Nahverkehrssystem der Tram zu machen. Am Vormittag gab es im Loquidy natürlich erst einmal eine Informationsveranstaltung, bevor wir in mehreren Gruppen unsere Partnerschule entdeckten und erste Eindrücke von der französischen Schule sammelten. Nach der Mittagspause im Schulrestaurant ging es in das Stadtzentrum, wo uns französische Schüler in selbstständig ausgearbeiteten Touren wichtige Sehenswürdigkeiten von Nantes zeigten. Nachdem der Dienstag wieder frei war (Feiertag aus Anlass des Endes des 2. Weltkriegs), begann am Mittwoch so etwas wie der "Alltag" in Nantes, nämlich der Besuch von Unterricht und die Arbeit an den Themen unserer Gruppenarbeiten. Sehr bald stellten wir im Vergleich einige Unterschiede zu unserer Schule in Meppen fest. Viele französische Lehrer haben sich besonders bemüht, uns in ihren Unterricht zu integrieren. Für uns war es jedoch nicht immer einfach, alles zu verstehen, was gesprochen wurde. Die Protokolle und die Bearbeitung unserer Themen konnten wir recht selbstständig durchführen, wobei uns immer wieder die begleitenden Lehrer (H. Kikker, F. Smoor und H. Stübig), aber auch zum Beispiel die Damen des CDI vom Loquidy hilfreich zur Seite standen. Schließlich sollte nach unserer Nantes-Fahrt mit "Reflets" ein "magazine de l'échange 2007" herausgegeben werden, welches die Arbeitsergebnisse dokumentiert und auch die Erinnerung an unseren Schüleraustausch wach hält.

Willkommene Unterbrechungen waren die Tagesausflüge. Am Donnerstag stand die Fahrt an die Küste der Bretagne auf dem Programm: Wir durchquerten die Marais salants de Guérande und besuchten das dazugehörige Musée in Batz-sur-Mer, wir machten Mittagspause mit Pique-nique in der malerischen kleinen Hafenstadt Le Croizic, wir genossen den weitläufigen Sandstrand von La Baule (der Strand ist bei fast jedem Wetter toll!) und beendeten den Ausflug schließlich mit dem Besuch der Ausstellung Escal'Atlantique, die in den berühmten U-Boot-Bunkern aus dem 2. WK in St. Nazaire eingerichtet worden ist und in dem sehr realistischen Teil-Nachbau eines Passagierschiffes anschaulich die Geschichte der französischen Überseeschiffahrt darstellt (einschließlich einer "dramatischen" Evakuierung in Rettungsboote wegen angeblichen Untergangs des Schiffes). Nach der Rückkehr zum Loquidy fand dort der offizielle Empfang seitens der Partnerschule statt.

Ein weiterer Ausflug führte uns am folgenden Montag nach Rennes. Nachdem wir in einem Jeu de piste die Stadt erkundet hatten, trafen wir uns mittags zu einem gemeinsamen Crêpes- und Galettes-Essen; anschließend ging die Entdeckung der Stadt weiter, jedoch auf eigene Faust. An die Rückkehr nach Nantes schloss sich ein weiterer offizieller Termin an: der Empfang im Rathaus der Stadt mit einem wirklich beeindruckendem Ambiente im Rathaussaal.

Ein letzter Ausflug findet traditionellerweise am Tag vor der Rückfahrt statt: der Besuch in den Weinbergen des Muscadet und bei einem Winzer in Monnières. Im Weinkeller von Monsieur Bretaudeau erfuhren wir einiges über den Weinanbau und könnten uns auch in einer Weinprobe von dem hervorragenden Resultat der Arbeit der Winzerfamilie überzeugen. Wenn auch offenbar die Geschmacksnerven unserer Jugendlichen sich noch nicht so recht auf die Qualität des verkosteten Getränkes einlassen mochten, so konnte man dennoch hier zu fairen Preisen ein charakteristisches Mitbringsel von der Region Loire-Atlantique für Zuhause erstehen.

Ja, und mit dem 16. Mai kam dann unvermeidlich der Morgen, an dem die Tränen flossen und niemand wirklich in den Bus einsteigen wollte, um den Rückweg ins Emsland anzutreten. Schließlich konnten wir aber dennoch Abschied nehmen, nicht ohne uns vorher nochmals mehrfach versichert zu haben, dass man sich bald wiedersehen wolle, dass man sich in den Sommerferien besuche und zumindest ganz schnell Briefe und Fotos zusende. Gibt es einen schöneren Beweis für die freundschaftlichen Bande, die zwischen deutschen und französischen Jugendlichen geschlossen wurden?