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 Forum Marianum 14.9.2006
2 Brüder - 2 Wege |
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(Von R. May)
In der Reihe FORUM MARIANUM stellten die ehemaligen Schüler (Abitur 1985) und Brüder Alfons und
Robert Weglage unter dem Thema "2 Brüder - 2 Wege - Zwischen Wirtschafts- und Sozialmanagement"
ihren nachschulischen Lebensweg vor. Zunächst referierte der um ein Jahr ältere Alfons, der am
Marianum die Leistungskurse Biologie und Gemeinschaftskunde belegt hatte, sehr anschaulich seinen
Werdegang (Tischlerlehre - Geselle bei verschiedenen Firmen - Studium der Sozialpädagogik-/arbeit
in Osnabrück - zwölfjährige Tätigkeit beim Katholischen Verein für soziale Dienste, speziell bei
der ambulanten Wohnungslosenhilfe). Dann informierte er die Hörer umfassend über seine Arbeit
(Organisation, Motivationsarbeit zur Veränderung der Situation, Hilfestellung beim Umgang mit
Behörden…), wobei sehr deutlich wurde, dass sein Tätigkeitsbereich weit über das hinausreicht,
was man sich früher von einem Sozialpädagogen erwartete. Mit großer Flexibilität muss man sich
einlassen auf die Hilfesuchenden selbst, aber ebenso ist Engagement zu zeigen im logistischen
Bereich (Zusammenarbeit mit anderen sozialen Diensten, Finden von geregelter Arbeit für die
Patienten, Verkaufsorganisation der Tageszeitung "Abseits" …).
Sein Bruder Robert hatte am Marianum mit den Leistungskursen Physik und Erdkunde schon einen anderen Lebensplan
erkennen lassen. Nach 7 Jahren Studium der Elektrotechnik an der Universität Hannover sowie einem zweijährigen
wirtschaftswissenschaftlichen Aufbaustudium in Unternehmensführung und Marketing an der Uni Braunschweig hatte
er bei einer Werksbesichtigung bei VW sein Schlüsselerlebnis, schrieb seine Diplomarbeit bei der Firma und arbeitet
jetzt seit 12 Jahren bei VW-Nutzfahrzeuge in Hannover. Als Vorstandsassistent des Sprechers des Markenvorstandes
VW-Nutzfahrzeuge Dr. Wiedemann erhielt er als "Leibeigener" u.a. den ersten Einblick, wie ein Global-Player
funktioniert. Ab 2002 ist er als Chief Information Officer (IT-Services, Budgetplanung, Process-Integration..)
zusammen mit 40 Mitarbeitern und einem Budget von 35-40 Mio € zuständig für die Frage, wie man Prozesse im
Nutzfahrzeugbereich durch IT unterstützen kann.
Robert Weglage erklärte anhand eines gemeinsamen Projekts zwischen VW (VW-Crafter) und Daimler Chrysler
(Van-Sprinter) die Ziele dieser Arbeit: Kostenteilung durch einmalige Entwicklung zweier Projekte, höhere
Auslastung und geringere Kosten durch Kuppelproduktion, frei werdende Kapazität für neue Produkte ohne
erneute Anschaffungsinvestitionen. Sein Versuch allerdings, diesen wirtschaftlichen Prozess auf Schule
zu übertragen (Gymnasium Marianum und ein fiktives englisches Gymnasium namens Beckham), wodurch aufgrund
von einmaligen Investitionen bei der Büroinfrastruktur, höhere Auslastung und dadurch geringere Kosten
Synergieeffekte genutzt werden könnten, überzeugte allerdings weniger, da bei diesen grundverschiedenen
Institutionen wirtschaftliches Prozessdenken nicht einfach als Schablone im pädagogischen Bereich zu nutzen ist.
Sehr nützlich dagegen und auch im schulischen Bereich anwendbar ist die von Robert dargelegte Organisation
der Projektarbeit (Umfang erfassen, Gestalten der Struktur, Festlegung der Dokumentation, Abstimmung der
Geschäftsprozesse, Ableitung und Umsetzen der Systemanforderungen, Gestalten der Gremienstrukturen).
In der anschließenden Fragerunde betonte Robert Weglage immer wieder, dass ein Auslandsaufenthalt für
seinen Tätigkeitsbereich selbstverständlich, dass die Kombination Technik und Wirtschaft erstrebenswert,
dass ein zügiges Studium, ein gutes äußeres Erscheinungsbild, Flexibilität, Lernwilligkeit, Fähigkeit zur
Teamarbeit unabdingbar sind. Die Wirtschaft fordere junge Menschen mit einer "Stange Dynamit im Bauch", da
sie nur so fähig sind, den Wirtschafts- und Lebensstandard in Deutschland zu sichern ("Um konkurrenzfähig
zu sein, müssen wir quantitätsmäßig mehr leisten und qualitätsmäßig besser sein als die anderen"). Einig
waren sich die Brüder darin, dass junge Menschen ihre Neigung finden müssen, denn nur wenn der Beruf Freude
macht, kann man seine Energie voll einbringen.
Für die Zukunft bleibt zu hoffen, dass sich wieder mehr Schüler für eine solch äußerst interessante und
informative Veranstaltung interessieren. Ist es doch eine Möglichkeit, seine eigenen beruflichen Neigungen
auf recht authentische Weise aufzuspüren.
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