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Berlinfahrt 2006
Berlin-Exkursion 2006 |
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Zwischen Gedenken und Neubeginn: Jüdisches Leben in Berlin
(Andrea Sander)
Die Studienreise für Schülerinnen und Schüler der Gymnasien in der Trägerschaft des Bistums Osnabrück begann gar früh
am Bahnhof in Meppen, wo wir, 12 Schülerinnen des Marianums, unsere Reise beginnen sollten. Nach einer sechsstündigen
Fahrt fanden wir uns im heißen Berlin wieder und suchten unsere ähnlich temperierten Zimmer des In Via-Centers in
Karlshorst auf. Kurz darauf ging es auf eine Stadtteilführung zu jüdischen Orten durch Berlin, was sehr eindrucksvoll,
aber durchaus anstrengend war. Personen mit genügend Getränken und/oder einem Fächer waren unübersehbar im Vorteil.
Nachdem der eine Teil der Gruppe gefühlte 100 Stunden vor dem geschlossenen Museum des jüdischen Denkmals für die
ermordeten Juden Europas in Naherwartung auf den Rest verbracht hatte, wurden wir nach dessen Eintreffen in die
abendliche Freizeit entlassen, die individuell gestaltbar war.
Am nächsten Morgen ging es müde, aber entschlossen zum Besuch des jüdischen Museums, welches besonders durch
originelle und symbolhafte Gestaltung überzeugte. Der Museumsführer machte uns z.B. auf die schrägen Gänge
aufmerksam, die eine Parallele zur ebenfalls ungradlinig verlaufenden jüdischen Geschichte darstellen sollten.
Mehrere Hohlräume im Gebäude erzeugten in Erinnerung an den Holocaust eine bedrückende Stimmung. Auch der von
Libeskind ähnlich konstruierte Garten verunsicherte den Besucher durch einen 12° geneigten Boden sowie hohe,
rechteckige Betonsäulen, wobei ein möglicher Eindruck von Enge und Beklemmung durch auf ihnen angepflanzte
Olivenbäume gemildert wurde, die von unten mit einem Blick in den Himmel sichtbar wurden und die Hoffnung der
jüdischen Flüchtlinge in ihnen unbekannten Gebieten symbolhaft verdeutlichten. Nach einer kurzen Mittagspause
erzählte uns Frau Salomea Genin ihre Lebensgeschichte, die sich zwischen ihrer Heimat Australien und dem
Auswanderungsort der DDR abspielte. Die Referentin legte dar, wie sie sich von einer Kommunistin zu einer
das System durchschauenden Persönlichkeit wandelte und trotz enttäuschender Erkenntnisse neue Lebenswege fand.
Am darauffolgenden Vormittag fanden wir uns erneut im erfreulicherweise kühlen Raum der katholischen Akademie ein,
wo uns Ora Guttmann, eine jüdische Religionslehrerin aus Haifa, von ihrer Arbeit in Berlin berichtete, welche vor
allem
darin bestand, Mädchen und Frauen zu einem angemessenen Platz innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu verhelfen
(Unterstützung der Bat-Mizwa).
Des Nachmittags erhielten wir eine Führung auf dem größten jüdischen Friedhof Europas, welcher sehr schön begrünt
und wegen der zu entschlüsselnden Symbole sehr interessant war.
Der Donnerstagvormittag beinhaltete ein weiteres Gespräch, diesmal mit Iris Weiss, einer Bildungsreferentin zu den
Themen Sozialarbeit und jüdischer Tradition. Nach einer Pause folgte ein Besuch im Centrum Judaicum, dessen 20
vorhandene Exponate scheinbar einen Schutz nach Vorbild der Kronjuwelen benötigten, da neben der Eingangsbewachung
durch drei Polizisten eine Komplettdurchleuchtung der Rucksäcke erfolgte.
Der auf die Mittagspause folgende Moscheebesuch begeisterte die ganze Gruppe: Das Gebäude war aufgrund seiner
orientalischen Gestaltung sehr schön anzusehen, wir erhielten türkischen Tschai (Tee) und durften nicht nur
allerlei Fragen stellen, sondern auch beim Gebet zusehen. So erschloss sich uns, dass im Westen ungeliebte
Traditionen oder terroristische Bewegungen keineswegs religiös, sondern oftmals nur politisch begründet werden
können, da auch die Lehre des Koran sie nicht für legitim hält. Uns wurden die durchaus liberalen Ansichten
eines eher modernen Islam dargelegt und wir dazu ermutigt, den Dialog zwischen Christen und Muslimen weiterzuführen
und zu intensivieren.
Freitag war der Abreisetag, an dem wir viele, uns vorher unbekannte Dinge aus dem Judentum und dem Islam mit
nach Hause nahmen.
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