Salz für Schilda 2004   


Salz für Schilda - Das Theaterprojekt der Klasse 8a
















"Wir möchten so gerne Theater spielen!", lagen die Schüler der 7a ihrem Deutschlehrer Christoph Migura im vorigen Schuljahr immer wieder in den Ohren. "Gibt es denn wirklich kein Stück für unsere Klasse?" Doch wo sollte man schon eine Handlung für genau 15 Jungen und 12 Mädchen finden? Und das, wo sich kaum jemand von ihnen mit einer Statistenrolle abspeisen lassen würde! Die Schüler fragten und bettelten weiter, bis der Lehrer schließlich eine Geschichte von den Schildbürgern anschleppte, dazu ein paar szenische Ideen, die sich möglicherweise zu einem Bühnenstück ausbauen ließen: Salz für Schilda.

Natürlich handelt die Erzählung von der sprichwörtlichen Dummheit der Menschen in jener Phantasiestadt. Aber sie halten sich für ausgesprochen klug, besonders ihr Bürgermeister Proportius, der sich ständig selbst wegen seiner genialen Einfälle lobt. Die Leute von Schilda entwickeln vermeintlich großartige Pläne und versuchen sie eifrig zu verwirklichen. Doch am Ende stehen sie vor demselben Problem wie zu Beginn, sodass der Zuschauer überlegt, ob sie tatsächlich nichts dazugelernt haben.

Der Umgang der Klasse mit ihrem Stück verlief recht eigenartig. Zunächst fand die Schildbürgergeschichte große Zustimmung. Sich die tollpatschigen Gestalten auf der Bühne vorzustellen, machte Spaß! Damit alle aus der Klasse aktiv mitspielen konnten, wurden mehrere Nebenhandlungen dazuerfunden. Der Einfallsreichtum brachte immer weitere Wesen hervor, z.B. sprechende Kühe, lebendige Gummibärchen. Und was konnte man nicht alles mit der Sprache anstellen! Mundartsprecher wurden eingebaut: Döspaddel, der Emsländer, sowie Depp, der Bayer. Dazu gesellten sich der Professor "Brotfressor", welcher unter einer Sprachstörung namens Drehversatzung leidet, und seine Begleiterin, die dann mittels einer Roboterstimme seine Worte übersetzen muss. Kostüme wurden entworfen, Kulissen aus großen Motorradverpackungen erstellt, und auch Musik sollte in dem Stück nicht fehlen! Mittlerweile war aus der 7a die 8a geworden.

Alle fanden es leicht, für sich eine passende Rolle zu finden. Doch nach einiger Zeit schlichen sich Zweifel ein: Wirkte man als Schildbürger nicht irgendwie bescheuert, würde man sich vor einem Publikum nicht gehörig blamieren? Allmählich wuchs in dieser Frage die Erkenntnis: Entweder müsste sich die ganze Klasse schämen - oder eben keiner! Denn alle verkörperten sie Doofe, Dummköpfe oder Durchgeknallte! So kam es, dass am Ende wirklich alle Akteure gemeinschaftlich dazu beitrugen, das Stück der Unvollkommenen je nach Kräften möglichst perfekt darzubieten. Darin - so will es der Deutschlehrer und Regisseur der 8a gerne bescheinigen - besteht der eigentliche Gewinn aus dem Klassentheater.

Christoph Migura