Empfang im historischen Rathaus(EL am Sonntag, 16. Februar 2003)
Meppen (ula) - Bereits seit 20 Jahren pflegt das Gymnasium Marianum eine intensive Schulpartnerschaft mit dem Gymnasium St. Joseph du Loquidy in Nantes. Nun wurde das Jubiläum mit einem festlichen Empfang im historischen Rathaus In Meppen gefeiert.
Mit beim Austausch dabei sind 31 Schüler im Alter von 15 und 16 Jahren. Sie werden unter anderen von dem derzeitigen Direktor Didier Rousset, dem ehemaligen Schulleiter Joël le Brun und Jean-Louis Le Tousse begleitet. Organisiert wurde der Aufenthalt auf deutscher Seite von Johannes Többe und Achim Geelen. In seiner Begrüßung erinnerte Bürgermeister Heinz Jansen zunächst an die deutsch- französische Geschichte, die über Jahrzehnte hinweg einer Verständigung im Weg gestanden hat. "Vor kurzem habe ich mit meinen Söhnen das KZ in Sachsenhausen besucht. Hier und in den anderen Konzentrationslagern wurden insgesamt sechs Millionen jüdische Mitbürger umgebracht, darunter auch viele, die aus Frankreich verschleppt worden waren", erinnerte Jansen.
Erst vor kurzem haben sich nach seinen Worten Deutsche und Russen an die Schlacht bei Stalingrad erinnert. Dort seien 200.000 Menschen umgekommen. "Auch mein Vater ist dort gestorben, als ich noch ein ganz kleiner Junge war", sagte Jansen. Trotz dieser schrecklichen Ereignisse sei es heute möglich, dass sich Franzosen und Deutsche friedlich begegneten. "Darüber bin ich sehr glücklich, denn dies ist die Basis dafür, dass sich die Geschichte nicht wiederholt", so der Bürgermeister.
Mit dazu beigetragen habe auch das deutsch-französische Jugendwerk, das vor 40 Jahren von de Gaulle und Adenauer begründet worden sei. "Damals haben die beiden Politiker erkannt, dass nur mit den jungen Leuten ein Neuanfang und damit ein Ende der Feindschaft möglich ist", betonte er. "Heute gibt es in Europa keine Grenzen mehr, abgesehen von der Sprache." Wichtig sei vor allem, das Verbindende wie das gleiche Empfinden, die Freude am Feiern, an der Musik und am Flirten zu betonen.
Rousset wies auf die lange Liste von Schülern und Lehrern hin, die in den vergangenen 20 Jahren an dem Schüleraustausch teilgenommen haben. "Diese Arbeit ist in pädagogischer, sprachlicher aber vor allem in menschlicher Hinsicht wichtig", betonte er. In den vergangenen Jahren seien wertvolle Verbindungen zwischen Schülern, Lehrern und Eltern entstanden. "Auch dies ist ein wichtiger Beitrag zur deutsch-französischen Freundschaft und zum Bau am gemeinsamen europäischen Haus", erklärte der Direktor. "In diesem Sinne hoffe ich, dass der Austausch noch lange weiter besteht."
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"Wichtiger Stabilitätsfaktor europäischer Friedenspolitik"
Seit 20 Jahren Schüleraustausch zwischen Marianum und Loquidy in Nantes
Meppen (ra) Als das Meppener Gymnasium Marianum und das Lycée St. Joseph du Loquidy im französischen Nantes im Jahr 1983 den ersten Schüleraustausch starteten, stand noch die sprachliche Seite im Vordergrund. Heute wird in zunehmendem Maß die politische Dimension wahrgenommen. Hans-Michael Lübbers, Schulleiter des Marianum, betonte beim Festakt zum 20-jährigen Bestehen der Schulpartnerschaft, die Konkretion der französisch-deutschen Freundschaft durch junge Menschen beider Völker sei zu einem wichtigen Stabiliätsfaktor europäischer Friedenspolitik geworden.
Insgesamt 31 Schülerinnen und Schüler aus Nantes weilen seit Sonntag zusammen mit ihren Fachlehrern sowie dem ehemaligen und dem derzeitigen Direktor der Schule in Meppen. Sie sind 14 Tage lang bei deutschen Gastfamilien untergebracht. Die Organisatoren der Begegnung haben ein Programm ausgearbeitet, das den jungen Franzosen viele Möglichkeiten bietet, sich ein Bild von Land und Leuten, Kultur und Freizeit im Gastgeberland zu machen. Fahrten zur Transrapid-Versuchsstrecke in Lathen, zur Meyer Werft in Papenburg, zu den historischen Sehenswürdigkeiten im Emsland und in den angrenzenden Regionen, Besuche im Haus der Sozialen Dienste, bei der Feuerwehr und in der Wärmestube sowie die Teilnahme am Unterricht im Gymnasium Marianum ergänzen das Programmangebot. Viel Zeit ist zudem den persönlichen Begegnungen eingeräumt, um die Vertrautheit zu fördern.
Diese durch den Austausch geschaffene Vertrautheit junger Menschen beider Nationen miteinander, stelle, so Lübbers, ein Bollwerk gegen Verführungskünste politischer Demagogen dar. "Unsere Partnerschaft ist getragen von persönlichen Eindrücken und Erfahrungen, die dadurch erst einen gemeinsamen Weg zu einem europäischen Haus mit vielen Nationen ermöglichte und weiter fördert." Damit werde deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler durch ihre Teilnahme am Austausch über die Förderung ihrer sprachlichen Kompetenz hinaus einen wichtigen Friedensdienst für Europa leisteten. Begleitet würden sie dabei von Lehrpersonen, denen die deutsch-französische Freundschaft ein "echtes Herzensanliegen" sei. Das Erlernen einer Fremdsprache, so Lübbers, könne nur gelingen, wenn man in die Kultur des Partnerlandes eintauche.
Dank sagte der Leiter des Marianum allen, die in irgendeiner Weise die Schulpartnerschaft unterstützten und förderten. Namentlich nannte er unter anderen Jean-Louis Le Tousse, den er als "Seele und Motor unseres Austausches auf französischer Seite" bezeichnete, und die Initiatorin Anne Höning, ferner den Begleiter der ersten Jahre, Franz-Josef Kikker, sowie das "Duo der letzten Jahre", Johannes Többe und Achim-M.Geelen. Der Dank galt ferner der gesamten Fachschaft und der Stadt Meppen.
Sowohl Hans-Michael Lübbers als auch die Sprecher des Lycée le Loquidy in Nantes erinnerten an den "Förderer der ersten Stunde" und ehemaligen Leiter des Marianum, Gregor Nowag. In Zukunft wird Kathrin Wedemeyer die Begleitung des Schüleraustausches auf deutscher Seite übernehmen.
Didier Rousset, Leiter des französischen Gymnasiums, wies darauf hin, dass mittlerweile 1600 Schülerinnen und Schüler am Austausch teilgenommen hätten. Aus Kontakten seien viele Freundschaften erwachsen. Nach der Einführung der gemeinsamen europäischen Währung könne es durchaus nahe liegen, auch von einer gemeinsamen Sprache zu träumen, meinte der ehemalige Schulleiter des Loquidy, Joël Le Brun. Wer mit diesem Gedanken spiele, sollte nicht, vergessen, dass gerade die Sprache das Mittel sei, über die man sich den Verschiedenheiten der Völker inhaltlich zu nähern vermöge. "Wenn wir unsere Unterschiede erkennen und annehmen, ergeben sich Möglichkeiten, den Schlüssel für den Frieden zu ergreifen", betonte Le Brun. Von größter Bedeutung sei dann die Beharrlichkeit, die zu einer Dauerhaftigkeit führe, wobei das Wort Dauer dann die Bedeutung von "Treue" erhalte.
Meppens Bürgermeister Heinz Jansen betonte in seinem Grußwort, dass staatenübergreifender Schüleraustausch Friedensarbeit im besten Sinne des Wortes sei. Gerade die Jugend sei aufgerufen, Voreingenommenheit im wörtlichen Sinne "abzuarbeiten". Sprecher der Schüler aus Nantes und Meppen bezeichneten den Austausch als praktische Ergänzung der im Unterricht vermittelten Theorie.
Unter der Deutschlandflagge und der Trikolore tauschten die Schulleiter und Mitglieder der Fachgruppen Französisch Geschenke aus. Die Jazz-Combo "Tinkerbell" des Marianum unter der Leitung von Henning Paulmann gab dem Empfang einen angemessenen klanglichen Rahmen. Jean-Louis Le Tousse erinnerte unter der Überschrift "Weißt du noch?' an Anekdoten der vergangenen 20 Jahre. Danach sind es nicht zuletzt auch die kleinen Ereignisse am Rande, die die Schulpartnerschaft bereichern.
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Eine Schlüsselrolle
Kommentar von Rudi Rickers in der Meppener Tagespost
Wie es um den Frieden in der Welt bestellt ist, wird uns in diesen Tagen drastisch vor Augen geführt. Krieg im Irak wenn es ihn gibt, dann wohl auch, weil es in der Vergangenheit an der nötigen Verständigung gemangelt hat.
Wenn alljährlich Schülerinnen und Schüler des Meppener Gymnasiums Marianum für zwei Wochen in die französische Stadt Nantes fahren und hier bei den Familien Gleichaltriger wohnen, wenn sie zu einem späteren Zeitpunkt zum Austausch junge Franzosen mit ins eigene Elternhaus bringen, dann geht es um diese Verständigung, um die Förderung des Miteinanders über Staatsgrenzen hinweg. Wenn sich die Gymnasiasten zusammen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern seit vielen Jahren immer wieder auf den weiten Weg ins polnische Torun machen oder im Gegenzug Jungen und Mädchen aus dem künftigen EU-Land Polen einen Einblick in ihr eigenes Lebensumfeld vermitteln, dann ist auch dies verbunden mit dem Aufbau wichtiger Kontakte und ebenso wichtig - mit dem Abbau von Vorurteilen. Völkerverständigung ist von größter Bedeutung. Auch heute noch, oder gerade heute wieder.
Das Marianum gehört zu den Bildungseinrichtungen in der Region, die auf diesem Gebiet seit langem einen wichtigen Beitrag leisten. 20 Jahre Schüleraustausch - das ist ein tolles Jubiläum. Das aus diesem Anlass von der Schulleitung geprägte Wort vom "Stabilitätsfaktor europäischer Friedenspolitik" darf getrost unterstrichen werden. Allerdings geht es um einen "Faktor", an dem permanent geschliffen werden muss, denn vollendet ist das seit so vielen Jahren propagierte vereinte Europa noch immer nicht. Kann ein derartiges Haus überhaupt jemals vollendet sein?
Immer mehr Schulen wie auch Elternhäuser sehen in den internationalen Schülerbegegnungen speziell in einer Zeit knapper Kassen eine erhebliche Belastung. Für die Schulen selbst kommt hinzu, dass ihnen personell einiges abverlangt wird. An ihrer Arbeit auf diesem Gebiet sollten sie trotzdem mit allen Mitteln festhalten: Ein verlässlich friedliches Europa ohne Grenzen nicht nur in der Landschaft, sondern auch in den Köpfen der Menschen ist erst dann wirklich erreicht, wenn die Chemie unter den Bürgern uneingeschränkt stimmt!
Der Jugend von heute wird hier in den nächsten Jahren und Jahrzehnten eine Schlüsselrolle zukommen. In Sachen Europa, in Sachen Miteinander, ja in Sachen Frieden immer wieder ausgerechnet bei ihr anzusetzen kann deshalb nur richtig ein.
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